Ich begleite Frauen schon seit vielen Jahren auf ihrem Kinderwunschweg. Ich kenne die Ängste, die Hoffnung, das Warten und die vielen Gedanken, die diese Zeit begleiten können.
Doch irgendwann war ich nicht mehr nur die Therapeutin an der Seite dieser Frauen.
Ich war selbst mittendrin.
Ein Kinderwunsch, von dem ich mich eigentlich schon verabschiedet hatte
Schon mit Mitte 20 hatte ich einen starken Kinderwunsch. Damals passten jedoch weder meine Lebenssituation noch die Umstände wirklich dazu.
Danach war ich viele Jahre ohne Partner und irgendwann kam der Punkt, an dem ich innerlich begann, mich von meinem Wunsch nach einem eigenen Kind zu verabschieden.
Etwa zehn Jahre später lernte ich meinen heutigen Mann kennen.
Ich erlebte ihn als Vater und etwas, von dem ich geglaubt hatte, ich hätte damit abgeschlossen, war plötzlich wieder ganz deutlich da:
Ich möchte ein Kind. Unser Kind.
Nach vielen Jahren setzte ich die Pille ab und hoffte zunächst darauf, dass mein Körper einfach wieder seinen natürlichen Rhythmus aufnehmen würde.
Doch meine Periode kam nicht.
Auch eine erste hormonelle Unterstützung bei meiner Frauenärztin führte nicht zum gewünschten Ergebnis. Schließlich entschied ich mich, in einer Kinderwunschklinik untersuchen zu lassen, wie die Voraussetzungen für eine Schwangerschaft bei mir tatsächlich waren.
Dort erfuhr ich, dass mein Körper zu diesem Zeitpunkt Unterstützung brauchte, um überhaupt gute Voraussetzungen für eine Schwangerschaft zu schaffen.
Es folgte eine Hormonbehandlung, um meine Gebärmutterschleimhaut aufzubauen.
Etwa ein halbes Jahr später war es schließlich so weit.
Mein Körper war bereit.
Aber die Zeit spielte eine Rolle
Inzwischen war ich Anfang 40.
Meine Ärztin erklärte mir, dass wir nun versuchen könnten, auf natürlichem Weg schwanger zu werden. Gleichzeitig sprach sie mit mir offen darüber, dass dies längere Zeit dauern könnte und die statistischen Chancen auf eine Schwangerschaft mit zunehmendem Alter weiter sinken.
Ich wollte nicht noch Jahre verlieren.
Also entschied ich mich für eine künstliche Befruchtung.
Eigentlich war damit alles geklärt.
Und trotzdem passierte etwas Merkwürdiges, als es plötzlich konkret wurde.
Beim Termin in der Kinderwunschklinik bekam ich verschiedene Medikamente und einen genauen Plan für die nächsten Tage. Mehrere Spritzen sollten die Eizellen vorbereiten, eine weitere sollte später den Eisprung auslösen.
Ich fuhr anschließend direkt in meine eigene Praxis, denn ich hatte dort einen Termin.
Und ich weiß noch genau, wie aufgewühlt ich war.
Obwohl ich mich bewusst für die Behandlung entschieden hatte, fühlte sich plötzlich etwas in mir überhaupt nicht mehr stimmig an.
Mein Kopf sagte: Das ist jetzt der Weg.
Doch in mir war gleichzeitig eine starke Unruhe und Abwehr.
Und dann machte ich einen Fehler.
Die falsche Spritze
Ich sollte direkt nach dem Termin mit der Behandlung beginnen.
Doch von allen Spritzen nahm ich ausgerechnet diejenige, die anders aussah als die anderen.
Es war die Spritze, die eigentlich erst später den Eisprung auslösen sollte.
Als ich meinen Fehler bemerkte, war ich völlig verzweifelt.
Ich rief sofort in der Kinderwunschklinik an.
Dort sagte man mir, dass dieser Behandlungszyklus damit beendet sei. Wir müssten bis zum nächsten Zyklus warten und dann von vorne beginnen.
Im ersten Moment fühlte es sich an, als hätten wir einen ganzen Monat verloren.
Doch nachdem sich der erste Schock gelegt hatte, entstand in mir ein anderer Gedanke.
Was, wenn dieser Zyklus trotzdem eine Chance ist?
Ich sprach mit meinem Mann.
Und wir entschieden uns, es darauf ankommen zu lassen.
Plötzlich wurde ich meine eigene Klientin
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits viele Jahre Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch begleitet.
Ich hatte mit ihnen mit Hypnose gearbeitet, mit inneren Bildern, mit Ängsten und Zweifeln, mit Vertrauen in den eigenen Körper und mit der inneren Verbindung zu ihrem Wunschkind.
Nun begann ich, all das auf mich selbst anzuwenden.
Ich machte intensiv Selbsthypnose.
Ich richtete meine Aufmerksamkeit nicht mehr darauf, was alles nicht funktioniert hatte oder was möglicherweise schiefgehen könnte.
Stattdessen beschäftigte ich mich damit, was ich meinem Körper und meiner Psyche jetzt Gutes tun konnte.
Ich stellte mir vor, wie mein Körper sich auf eine Schwangerschaft vorbereitet. Ich nahm innerlich Kontakt zu meinem zukünftigen Baby auf. Ich lud es ein und ließ immer wieder Bilder von Vertrauen, Verbindung und Zuversicht entstehen.
Und irgendwann bekam ein ganz bestimmter Tag für mich eine besondere Bedeutung.
18 Tage nach dem ausgelösten Eisprung war Muttertag.
Ich stellte mir immer wieder vor, wie wunderschön es wäre, ausgerechnet an diesem Morgen einen positiven Schwangerschaftstest in den Händen zu halten.
Also wartete ich sogar etwas länger mit dem Test.
Dann kam der Muttertag.
Ich machte den Test.
Er war positiv.
Ich war schwanger.
Aus der Freude wurde eine neue Angst
So glücklich ich war, mit dem positiven Test waren meine Ängste nicht plötzlich verschwunden.
Im Gegenteil.
Nun gab es etwas unglaublich Kostbares, das ich auf keinen Fall wieder verlieren wollte.
Gerade in den ersten Monaten nutzte ich deshalb sehr viel Selbsthypnose.
Nicht, weil ich glaubte, damit kontrollieren zu können, was medizinisch in meinem Körper geschieht.
Sondern weil ich etwas brauchte, das mir half, mit meiner Angst umzugehen, Vertrauen zu finden und mich nicht jeden Tag in Sorgen zu verlieren.
In meinen inneren Bildern nahm ich immer wieder Kontakt zu meinem Baby auf.
Ich vermittelte ihm:
Du bist willkommen.
Du darfst hier sein.
Wir freuen uns auf Dich.
Ich bin für Dich da.
Und diese Verbindung blieb.
Während meiner gesamten Schwangerschaft habe ich viel mit meinem Baby gesprochen, Selbsthypnose genutzt und mir immer wieder bewusst Zeit genommen, mich mit ihm und meinem Körper zu verbinden.
Ich tat plötzlich selbst all das, wozu ich vorher andere Frauen angeleitet hatte.
Und dadurch verstand ich vieles noch einmal auf einer ganz anderen Ebene.
Dann war er da
Mein Sohn entschied sich sogar, fünf Tage früher zu kommen.
Gerade einmal etwa eine Stunde war ich im Kreißsaal.
Und dann hielt ich ihn in meinen Armen.
Kerngesund.
Mein Sohn.
Mein Wunschkind.
Ein Kind, von dem ich viele Jahre zuvor geglaubt hatte, dass ich es vielleicht niemals bekommen würde.
Diese Erfahrung hat meine Arbeit verändert
Natürlich ist meine Geschichte meine Geschichte.
Ich weiß, dass sich daraus kein Versprechen für eine Schwangerschaft ableiten lässt. Hypnose ersetzt keine medizinische Diagnostik oder Behandlung und niemand sollte das Gefühl bekommen, nur „richtig denken“ oder genügend vertrauen zu müssen, damit ein Kinderwunsch in Erfüllung geht.
Aber ich habe durch meinen eigenen Weg etwas anderes verstanden.
Wie wichtig die Zeit zwischen all den medizinischen Terminen ist.
Die Tage vor einem Transfer oder einer Untersuchung.
Das Warten auf Ergebnisse.
Die berühmte Warteschleife.
Die Angst vor der nächsten Periode.
Das Interpretieren jedes körperlichen Zeichens.
Die Hoffnung, die man kaum zuzulassen wagt.
Und manchmal auch diese quälende Frage:
„Warum schafft mein Körper das nicht?“
Genau in diesen Momenten braucht es aus meiner Erfahrung mehr als Durchhalteparolen.
Es braucht einen Ort, an dem Angst, Zweifel, Traurigkeit und Hoffnung nebeneinander existieren dürfen.
Und Möglichkeiten, wieder aus der permanenten Anspannung herauszufinden, Vertrauen in den eigenen Körper zu entwickeln und die eigenen inneren Ressourcen zu aktivieren.
Daraus ist meine heutige Kinderwunschbegleitung entstanden
Mein eigener Weg hat deshalb auch die Art verändert, wie ich heute Frauen begleite.
Neben Hypnose und hypnosystemischer Arbeit ist mir die persönliche Begleitung besonders wichtig geworden.
Denn die entscheidenden Momente passieren häufig nicht während unserer Sitzung.
Sie passieren am Abend vor einem wichtigen Termin.
Nach einem schwierigen Arztgespräch.
Während des Wartens auf einen Anruf.
Nach einem negativen Test.
Oder genau dann, wenn die Angst plötzlich wieder größer wird als die Hoffnung.
Deshalb geht es in meiner Kinderwunschbegleitung nicht nur um einzelne Hypnosesitzungen.
Es geht darum, Dich durch diese besondere Zeit zu begleiten, Ängste aufzufangen, innere Sicherheit zu stärken und Dir dabei zu helfen, Dich selbst und Deinen Körper nicht aus den Augen zu verlieren.
Denn ich kenne diesen Weg heute von beiden Seiten:
als Therapeutin und als Frau mit einer ganz eigenen Kinderwunschgeschichte.
Und vielleicht ist genau deshalb die Begleitung von Frauen mit Kinderwunsch heute einer der Bereiche meiner Arbeit, der mir ganz besonders am Herzen liegt.
Denn Dein Kinderwunsch findet nicht nur in Deinem Körper statt.
Und Du musst diesen Weg nicht alleine gehen.


